Mittwoch, 19. November 2014

Übung: Verleimen von Gehrungen mit Klebeband - Herstellen von Zwingenkästen

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

wie im meiner neuen Rubrik "Übungen" beschrieben, werde ich mir in nächster Zeit immer Übungsaufgaben vornehmen, die exemplarisch mir sicherlich bei größeren Projekten, gar Möbel, zu Gute kommen werden. Weil um Routine in gewissen Dingen zu bekommen, bedarf es meist einer mehrfachen Übung.

So habe ich mir heute folgende Aufgabe gestellt:

  • Baue eine Box 300 mm x 150 mm
  • Eingefalzter Boden 10 mm
  • Komplett auf Gehrung, verleimen mit Klebeband.
  • Material: 13 mm Fichte/Tanne Nut und Feder Bretter Reste, 6 mm Sperrholz für den Boden
  • Versuche so genau wie möglich zu arbeiten.


Ziel: Meine Festool Zwingen sollen einen Platz auf der Fensterbank bekommen.



Dieser Zustand nervt mich schon lange, immer wieder fallen die Zwingen runter.




Wie in der Übungsaufgabe gestellt, suche ich erst ein paar Reste heraus und besäume sie auf die maximale Brettbreite. Ich schneide Nut und Feder weg.



Diese 3 Bretter sollten genügen um die Box zu bauen. Sie wurden besäumt und mit dem Handhobel auf gleiche Breite gehobelt.

Wie gesagt: Ziel dieser Aufgabe ist es, möglichst genau an die Zielvorgabe heranzukommen und die höchstmögliche Präzision meiner Maschinen, respektive Kreissäge kennen zu lernen. Und das verleimen mit Klebeband zu routinieren.










Das Blatt wurde genau eingestellt. Dabei hilft mir ein unverzichtbarer Winkelmesser von Trend. Das Ergebnis ist sehr gut. Genau 45 Grad, ohne einen Lichtspalt.

Wer mehr über diesen Winkelmesser erfahren möchte, der möge Michael Hild auf seinem Blog besuchen. Ich kenne keinen anderen Blog, der aussagekräftigere Test durchführt wie Michael.




Beim Verleimen von unsichtbaren Gehrungen nimmt man gerne sogar etwas mehr als 45 Grad, damit die Außenkante der Gehrung auf alle Fälle dicht wird. Bei dieser rundum sichtbaren Gehrung bedarf es genau 45 Grad, sonst würde sich nach innen ein Spalt bilden.








Erstes zusammenstellen auf der Werkbank sieht schon vielversprechend aus.












Anbringen des Falzes. Hier wird sich zeigen, das wenn man auch das Sägeblatt genau auf den Riss stellt, der Falz etwas breiter wird.
Leider habe ich hier die Aufgabenstellung nicht erreicht. Der Falz wurde 12x12 mm.

Vor allem muss man darauf achten, das der Teil der herausgetrennt wird, nicht zwischen Sägeblatt und Parallelanschlag verkannten kann, sonder sich frei heraus bewegen kann.




Ich habe erst den senkrechten Schnitt gemacht und mache dann den Waagrechten Schnitt sodass der Abfall locker nach links "ins Freie" austreten kann.

Auch wenn diese Methode sehr sicher ist gilt auf alle Fälle: Schutzbrille tragen, falls so ein dünner Abschnitt durch einen Ast getrennt ist und dann Teile durch die Gegend fliegen.




Hier sieht man den ersten Fehler, der sich leider nach dem lösen des Klebebandes zeigen wird. Ich habe die Gehrungen nur an den Ecken mit dem orangen Klebeband beklebt. Obwohl ich sie ein bisschen habe überstehen lassen, werden sie sich lösen. Das Klebeband sollte mit der anderen Seite im Verbund sein um genug Zug und Druck aufzubauen. Dazu aber später.

Verleimt wurde mit Aldi Expressleim, der nur 5 Minuten braucht zum abbinden. Der Leim zeigte keine qualitativen Mängel.



Während der Leim anzieht habe ich den Boden heraus geschnitten und bis Körnung 180 geschliffen, Die Kanten habe ich mit einem Schleifklotz 120 gebrochen.













Da der Leim nach 20 Minuten schon recht gut abgebunden hatte, habe ich den Boden eingeschraubt. Zuvor habe ich etwas Leim in den Falz gegeben,















Stunde der Wahrheit: Nach dem lösen vom Klebeband zeigen sich leider "offene Gehrungen". Diese sieht man beim genauen hinsehen.

Die Box wurde trotzdem mit Leinölfirnis geölt und Ihrem Zweck zugeführt.



Bewertung der Arbeit: 

  • 4 offene Gehrungen, unter Möbelbaubedingung "NoGo"
  • Außenmaß der Box weicht um 2 mm ab
  • Falz 12 mm, also 2 mm zu tief

Note: Ausreichend
Andi hat das Klassenziel nicht erreicht :-)


Da ich noch ein zu Hause für meine Spannelemente brauche, selbige Übung noch einmal.

Auf die einzelnen Schritte zur zweiten Box werde ich nicht näher eingehen.

Allerdings lag mein Augenmerk auf der Tiefe und Breite des Falzes, was ich nun behutsam auf 10 mm geschnitten habe.
Auch die Verleimung wurde mit durchgehenden Längsstreifen Klebeband vollzogen.







Bewertung der Arbeit: 

  • Alle vier Ecken genau begutachtet. Zwei Gehrungen haben bei ganz genauem hinsehen oben eine leichte Öffnung. Hier erkenne ich jetzt ganz klar die Grenzen des Materials Fichte und die Grenze meiner doch leichten und betagten Kreissäge. Aber es ist allemal ein gutes Ergebnis.
  • Maßhaltigkeit des Korpus leicht überschritten. 1 mm überschritten.
  • Falz weicht wieder um 1 mm ab. 


Note: Gut
Andi hat das Klassenziel erreicht :-)






Abschließendes Fazit: Mir hat die Übungsaufgabe sehr viel Spaß gemacht. 
Sich selber solche Aufgaben zu stellen und sich selber ehrlich zu prüfen, ob man das Ziel erreicht, ohne Kompromisse, ist sehr interessant. 

Am Ende des Abends geht man zufrieden in die Nähe seines Sofas :-)

Bis die Tage,

es grüßt herzlich

Andi - Alwaysworkingman











Kommentare:

  1. Hi Andi,
    ich schon wieder. Ich habe Achtung vor dir, wie du dich selbst beurteilst und beobachtest. Bei so Arbeiten finde ich es genau so wie du nicht so schlimm, wenn mal 1 bis 2 mm zuviel oder zu wenig gefalzt usw. sind. So lange das gute Möbelstück später passt ;-). Mir gehts auch immer wieder so, dass ich mir nach manchen Arbeiten gehörig in den Allerwertesten treten kann. Naja, eigentlich regelmäßig.
    Weiter viel Spaß mit deinen Übungsprojekten! Ich find´s gut, dass du das auch sowas auf deinem Blog schreibst.
    Schönen Gruß,
    Dominik

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  2. Hallo Dominik,

    Danke für Deinen Besuch. Genau darum geht es mir. Ich möchte nach Plan arbeiten, als wie wenn ich einen Auftrag hätte etwas herzustellen. Und nicht ständig umdisponieren, nach sägen und im Kopf ständig den Plan ändern.

    Mal sehen, bis jetzt motiviert mich das sehr.

    Gruß Andi

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  3. Sehr schön gemacht. So eine Aufgabe muss ich mir auch mal stellen. Könntest du noch ein Bild einstellen von der zweiten Box mit "durchgehenden Längsstreifen Klebeband"? Wie sieht das denn dann aus? Die erste Box ist doch auch rundrum geklebt?

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    1. Hallo Thorsten,

      leider habe ich davon kein Bild. Der Unterschied war, ich habe bei der ersten Box erst die orangen kurzen Streifen auf die Ecken geklebt und nur einen braunen Streifen längs. So war das ganze sehr "weich" beim einklappen und hat nachgegeben.

      Bei der zweiten Box habe ich zwei Längsstreifen auf voller Länge und Breite genommen. Man spürt das sofort beim einklappen, ob das Klebeband straff genug ist.

      Ich denke das Orange Band von Kip ist einfach zu lasch,

      Es gibt auf YouTube auch ein gutes Holzwerken Video, wo das erklärt wird. Genauso habe ich es dann gemacht.


      Danke für Deinen Besuch,

      Gruß Andi

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  4. Meine Erfahrung: Ein guter Bandspanner aus dem KFZ Zubehör bringbessere Ergebnisse als das Klebeband. grund: Man kanneinfach mehr Druck rundherum aufbauen.

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Danke, Ihr Kommentar wird noch moderiert. Danke.