Sonntag, 3. Mai 2015

Little help for friends - Bettumgestaltung

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

mich haben sehr gute Freunde gefragt, ob ich Ihnen Ihr Bett umbauen könnte.
Hintergrund: Das alte Wasserbett soll raus und normale Lattenroste mit Matratzen wurden gekauft.
Allerdings würden Sie gerne den alten Unterbau behalten, der sei eigentlich ganz gut und mit Schubladen versehen und äußerst praktisch.

Baustellenbesichtigung und Aufmaß:


Friend: Hier ist das gute Stück, et voilà......
Ich: Aha, ein Traum in Ahorn-Span. Nicht schlecht gebaut. Sehr stabil. Ist klar, ein Wasserbett hat 700 kg was auf den Boden gebracht werden muss. Kann man was draus machen.
Friend: Schön wäre ein Aufbau in Massiv Holz......
Ich: Vergiss es, kannste nicht bezahlen und sieht zum Ahorn Span nix gleich.
Friend: Dann bau uns ein komplettes Bett aus Massivholz, was mit dicken Füßen. So komplett eben.
Ich: Vergiss es, kannste nicht bezahlen :-) Aber ich habe eine Idee, wir könnten weiß belegtes Multiplex nehmen und die Kanten schön abfasen und ölen. Weil Span mit Bügelumleimer mach ich nicht. Zu viel gefrickel und sieht nich aus
Friend: Na das hört sich doch super an. Was kostet das.
Ich: Naja, billich ist anders, 70,- Tacken pro m2. Und wir müssen eine ganze Platte nehmen.Da sind wir dann locker bei 220,- pro Platte
Friend: Schluckt, okay, aber das hört sich doch gut an.





Hier habe ich Sie an einem sehr netten Gespräch teilhaben lassen. Laien sind die Holzpreise in keinster Weise bewusst. Schwedisches Möbelhaus lässt grüßen, da gäbe es ein ganzes Bett um den Preis.
Wenn ich hier noch, sagen wir mal eine günstige Marge ansetze von 20,- € die Stunde, käme der Spaß auf 500,- €. Da werden die Leute ganz schnell bleich und wünschen sich in Ihr "Möbelhaus to go". Die mit den schönen Span-Umleimer-Möbel zum selber zusammenbauen.

Aber da ich das ganze ja für Freunde machen, schlägt nur der Holzpreis zu Buche und ein bisschen Kleinmaterial und Beschläge.


Planung:

Ich habe mir wie immer einen mass getreuen Sketchup Plan gemacht, um zu Hause in Ruhe zu planen. Dabei kam zum ersten mal die App: BOSCH Aufmaßkamera zum Einsatz.

Für mich eine perfekte, kostenlose App. Mann macht vor Ort Bilder von Details und bemaßt sie ganz einfach. Das ganze auf dem Smartphone.
Anbei zwei kleine Beispiele:



Die Schwierigkeit:

Wie so oft im Leben, scheint nicht immer die Sonne über dem Holzwerker. Das Problem ist, das alte Wasserbett war auf eine größere Spanplatte auf dem Kasten eingelegt. Allerdings hat der Unterkasten nun nichts mit einem normalen Bettmaß zu tun.

Zu breit und und zu kurz zugleich. Also musste ich mir was einfallen lassen. Zum einen brauche ich einen Überhang nach vorne, und eine Abdeckung der überschüssigen Breite.

Um meine Freunde etwas zu schocken, habe ich ein paar nette Details eingebaut.




Die Freigabe folgte sogleich. Allerdings mit der tollen Frage:

Friend: Geht das da Vorne auch mit Gehrung ?
Ich: Knirsch......Ja, das geht. (Mir war sofort klar, Fummelig ohne Ende und die Gehrung dicht kriegen, weiß ich gar nicht, ob ich das schaffe. "Mann" ist Heimwerker.)


Holzeinkauf:

Auch das war sehr lustig !
Da das Material ja recht teuer ist, habe ich mir einen optimierten Sägeplan mit dem Programm Woodworks gemacht. Das Programm ist in der Demo Version kostenlos. Bloß beim drucken muss man sich was einfallen lassen. Allerdings für Hobbie Holzwerker / Heimwerker vollkommen ausreichend.

Um beim Holzhändler nicht wie ein Laie zu wirken, habe ich mich gut vorbereitet und die Trennschnitte noch einmal für Mich narrensicher definiert.



Auch an dieser Episode möchte ich Sie teilhaben lassen. Sie hat nicht in einem Baumarkt stattgefunden, sondern bei einem renomierten Holzhändler in der Gegend !

Während der ganzen Zeit läuft die Plattensäge. Profi Gehörschutz auf.

Ich: Den ersten Schnitt bitte quer runter bei 2150
Profi: Okay.........."sing" und Schnitt gemacht
Ich: Den zweiten Schnitt bitte längs. Breite 390.
Profi: Okay. Fährt mit der Säge in die Mitte der Platte und setzt an und sägt quer ein.
Ich: Haaaaaalt................
Profi: Schaut mich verdattert an :" Sie sagten doch Quer ?"
Ich: Nein Längs. Wild rumfuchtel...(So ein Mist, 3 cm der Platte kann ich vergessen. Aber naja es gibt schlimmeres). Also fangen wir noch einmal von vorne an. 390 von oben, Längs
Profi: Stellt die Säge ein und "sing" der Schnitt ist gemacht.
Ich: Nachmess.........komisch wieso ist den die Platte jetzt bloß 317 mm breit ? Ich sagte doch 390. Langsam bisschen entnervt.
Profi: Wie 390, ich habe 93 verstanden, 93 cm von unten. (Klar, dann sind das in der Tat 31,7 cm)
Ich: Ich rede in Millimeter. Ich dachte Sie verstehen mich
Profi: Wir hier in Zentimeter. (Zimmermänner machen das auch :-) )


So ein Mist, dachte ich, jetzt ist meine ganze Optimierung dahin. Kann ich daheim noch einmal durchs Programm jagen. Vorweg, es ist gut gegangen. :-)


Der Zuschnitt:

Werkstücke über 2 m sind in meiner kleinen Heimwerkerwerkstatt schwierig durchzuführen. Mann braucht einen Raum von 5 m Länge. Meiner ist aber nur 4,5m breit. Und mit der Tauchsäge ist die Wiederholgenauigkeit mit einiger Bastelei zwar kein Problem, aber diese 10 cm Leisten würden ein ziemliches Spann-Abenteuer werden.

Trockenübung
Da ich all meine Werkstattmöbel auf 90 cm Höhe gebaut habe und auf Rollen, können sie schnell umfunktioniert werden zum Abnahmetisch. Mit einem Rollenbock vorne gelingt dann das ganze sehr einfach.

Bei mir muss halt noch die Tür auf, weil ein halber Meter ins Freie muss :-)

Es empfiehlt sich solche Schnitte
einmal "trocken" am Blatt vorbei zu schieben.
Mann erkennt ob man ohne Hindernis
durch die Platte kommt. Wenn das Zwischendrin auffällt, gibt es verbrannte Sägemarken.




Bauphase:

Hier habe ich sehr wenig Bilder gemacht. Weil es eigentlich nichts spektakuläres ist.




Ich setze bei solchen Arbeiten gerne ein paar Flachdübel. Auch das Multiplex ist auf der Länge von über 2 m ruckzuck krumm. Danach wurde alles von unten (nicht sichtbar) mit 4x60 Schrauben verschraubt.

Hier sieht man das Vorderteil mit der Gehrung. Es soll sich heraus stellen, das es wie geahnt eine ziemliche ........ ist :-)














Provisorischer Zusammenbau




Wieder habe ich meine Rollcontainer so positioniert dass ich den Bettrahmen mal provisorisch zusammenbauen kann.

Die Problematik. Ich muss das nachher "live" auf der Baustelle machen. Und es muss zerlegbar bleiben. Also übe ich das hier mal in der Werkstatt. Ohne Stress.

Und ohne "Kunden" der einem fast auf dem Rücken sitzt und dauernd gute Tipps hat.   :-)







Blöde Gehrung:





Trotz sorgfältigster Arbeit wird es bei einer Gehrung unten einen Schlitz von 0,5 mm geben. Ich habe das ganze leicht abgerundet, damit es aussieht, wie wenn das so soll :-)

Das Problem: Die Konstruktion lässt keine Toleranz zu. Und das die Gehrung auf beiden Seiten passt und auch die Platte dazwischen "dicht" wird, ist eigentlich unmöglich.

Das war mi eigentlich klar. Aber mir ist nichts besseres eingefallen.

Beim nächsten Mal muss ich mir da konstruktiv was besseres einfallen lassen oder solche Sachen einfach sein lassen :-)

Das muss "Friend" schlucken. Mehr geht leider bei Andi nicht.








Die andere Seite ist "okay" aber nicht perfekt.

Hier habe ich das zusammenziehen der Gehrung für die Baustelle geübt. Mit den zwei Festool Zwingen geht das nachher sehr gut. Bloß die einfachen Winkel müssen noch gegen was stabileres ausgetauscht werden.

Leim ist nicht. Das Teil muss wahrscheinlich mal wieder zerlegt werden.

Ich hätte auch den Clamex S von Lamello ausprobieren können. Aber leider gibt es die nur zu 18 Paaren im kleinsten Pack. Was mach ich dann mit den 16 Paaren die übrig bleiben. Ewig im Schrank hüten und aufheben für Sonderfälle. Es würde auch den Rahmen des Projektes sprengen.

Es muss mit stabilen Winkeln gehen.



Danach wird der Rahmen ja noch mit dem Unterteil verschraubt.


Fertig zum Transport auf die Baustelle.


Kanten wurden mit LumberJack geölt. Sieht sehr gut aus, wie ich finde.


Den Aufbau gibt es dann im zweiten Teil. Bis dahin wünsche ich Euch eine gute Zeit.

Gruß Andi - Alwaysworkingman

Kommentare:

  1. Mein Tipp für den Zuschnitt: ausdrucken und dem mann an der säge in die Hand geben.

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  2. LOL. Das mit dem Zuschnitt kommt mir bekannt vor. Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, das eine gedruckte Schnittliste hilft. Viele Holzhändler wollen sich aber nicht auf den wehrten Hobby-Anwender einlassen.
    Und der Profi benötigt wahrscheinlich keinen Zuschnitt.

    Gruß
    Stefan

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