Montag, 23. November 2015

Jetzt muss es aber sein ! Ein Frästisch wird gebaut - Teil 1

Hallo liebe Holzwerker,

im März diesen Jahres hatte ich ja ein "Holzwerker Wochenende" bei Heiko Rech in der Kurswerkstatt Saar. Dort habe ich diesen Kleinen Buchenschrank gebaut.

Im Kurs wurde sehr schnell klar, ohne Frästisch brauchst Du eigentlich gar nicht mehr weiter machen. Leider ist das bei vielen Maschinen so, die "Mann" nicht hat. Daher bin ich fast jede Woche an diesem Punkt :-)
Selbstverständlich kann man die meisten Dinge auch mit einer handgeführten Oberfräse machen, aber im Rahmenbau grenzt das dann schon an:

"Loch ins Knie bohren und Milch reinkippen"

Wie geht "Mann" nun vor, um sein neues Objekt der Begierde zu bekommen. Internet, YouTube,Blogs rauf und runter und Ideen sammeln. Das muss ja schon gescheit werden. Und zu einfach will "Mann" es sich ja auch nicht machen. Da ziehen dann schon einmal ein paar Monate ins Land und die eine oder andere schlaflose Nacht.

Erste bittere Erkenntnis: Den Festool CMS kannst Du Dir aus dem Gesicht schneiden. Macht die Regierung niemals mit.




Danach auf zu Sauter und Komponenten zusammenstellen.
Nachdem der "Traum Selbstbaufrästisch" mit allem "PiPaPo" zusammengestellt im Warenkorb ist erfolgt bei "Mann" dann eine sehr starke Ernüchterung.
Bis Du da alles zusammen hast sind 250,- € wech wie nix. Und das ohne Maschine. Und das ist immer noch nur das "Mindeste". Nach Oben gibt es wie so oft keine Grenzen.

Ernsthafte Überlegungen ob ein Loch im Knie nicht doch sinnvoller wäre. Oder besser doch aufhören, bringt doch nichts.  :-)

Geht es Ihnen auch des öfteren so ? Holzwerken ist kein Tanzkaffee.


Nach dem der erste Schock überwunden ist geht es ans "priorisieren". Was kann ich weglassen und auf was kann ich unter keinen Umständen verzichten um zu starten. Auch hier verdaddelt "Mann" wieder Wochen. Von den ganzen Up´s and Down´s rede ich jetzt nicht mehr.

Ergebnis: Das Teil wird nach dem Minimal Prinzip gebaut. Minimaler finanzieller Einsatz und maximaler Selbstmach / Selbstbau Einsatz.

Was braucht "Mann" den eigentlich wirklich für einen Frästisch:
(Da ich noch nicht oft mit einem Frästisch gearbeitet habe muss ich mich hier auf die wenige Arbeit mit dem CMS und den vielen gelesenen Beiträgen leiten lassen)


  • eine Alu Einlegeplatte sollte es schon sein, weil von den Plastikplatten liest man zuviel Negatives, dass sie sich nach oben wölben etc. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Ich habe auch keine empirische Erhebung gemacht.
  • einen verstellbaren Anschlag in T Nut Schienen mit Fräsbacken die sich zusammen schieben lassen.
  • T-Nut Schienen für Andruckkämme / Festool Zwingen.
  • gerade und eben sollte der Tisch sein. MDF oder Siebdruck würden sich hierfür eignen.
  • Absaugung
  • in der Höhe soll die Maschine mit einem Scherenwagenheber eingestellt werden. Es wäre zwar schöner von Oben durch den Tisch. Aber diese Möglichkeit hat meine Maschine nun mal nicht.

Die Frästischplatte aus Aluminium wird hergestellt:

Das teuerste an einem Frästisch ist eigentlich die Anschaffung dieser Platte. Da wird Alu im Handel auch "vergoldet". 120,- € sind da keine Seltenheit. 

Da ich in einem medizinischen Produktionsbetrieb arbeite, habe ich das Glück auf ein Netzwerk von Spezialisten (netten Kollegen) zurück zugreifen, was die Bearbeitung von Metallen betrifft. Und das ganze ohne Facebook. Sondern "Mann" spricht mit einander. Und der eine oder andere Kaffee aus dem Plastikbecher wechseln den Besitzer.


Ich: Ich brauche eine Aluplatte mit einem 55 mm Loch in der Mitte. 250x250 sollte die Platte schon haben. Super wären natürlich auch noch die Bohrungen um die Maschine zu befestigen und 4 Löcher am Rand. Achso, die Maschine habe ich zufällig dabei :-) Kannst ja irgendeine Lochsäge nehmen oder einen Kegelbohrer.

Die Augen des Kollegen entgleisen. Lochfräse, Kegelsenker ?

Kollege: "Oh je Kerle, komm gib die Maschine her, kannst die Platte morgen abholen."

Holzwerker sind nun mal keine Metaller und keine Tänzer :-)


Die Maschine wird vermessen.



Ein kleines Programm wird geschrieben.

Eine Drahterodiermaschine war zu Hand 
Drahterodieren:

Kurze Erklärung zum Verfahren:

Das Drahterodieren (auch Drahtschneiden (englisch wirecutting); Drahterosion, funkenerosives Schneiden oder Schneiderodieren) ist ein formgebendes Fertigungsverfahren (Schneidverfahren) hoher Präzision für elektrisch leitende Materialien, welches nach dem Prinzip des Funkenerodierens arbeitet:

Eine Folge von elektrischen Spannungspulsen erzeugt Funken, die Material vom Werkstück (Anode) auf einen durchlaufenden dünnen Draht (Kathode) sowie in das trennende Medium, das Dielektrikum übertragen. Der Draht wird anschließend entsorgt. Die Genauigkeit des Verfahrens beruht darauf, dass der Funke stets an der Stelle überspringt, an der der Abstand zwischen Werkstück und Draht minimal ist.











Mit guten Augen sieht man schon den Fortschritt. Geschnitten wird unter Wasser.


Die fertige Platte vor der Pulverbeschichtung
Ein Anfang ist gemacht. Die Platte wird noch Pulverbeschichtet da der schwarze Abrieb auf Aluminium nervig wäre. 
Auch die Aussenradien an der Platte haben 6 mm, so kann ich mit einem 12 mm Fräser einen schönen Rahmen fräsen. 

Die Platte ist groß genug, so das sie evtl. noch mit einer größeren Maschine bestückt werden kann.
So, dies war der erste Streich, der zweite folgt "demnächst"

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an den Kollegen. Ohne Ihn wäre Holzwerker immer noch am planen und am grübeln, wie er wohl diese blöde Platte herstellt.


Ich hoffe dieser Beitrag hat Euch nicht zu sehr gelangweilt,
Bis demnächst,

Gruß Andi - Alwaysworkingman

P.S. Diese drei Tische könnten Sie auch interessieren, ich finde sie sehr gelungen und waren für mich sehr wertvoll um meine Schnittmenge heraus zu filtern: